Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 432

Weil es ja mit dem Ausreiten so wenig war in den letzten Wochen und wir so viel auf dem Reitplatz geübt haben, meinte mein Mädchen, wir machen das so abwechslungsreich wie möglich. Also hat sie gestern die Garrocha mal wieder zur Hand genommen. Das haben wir lange nicht gemacht! Sie hatte mir im Sommer gezeigt, dass ich mich davor nicht fürchten muss und dass sie das laaaaaaaange Ding beim reiten in der Hand hält und hinter uns her zieht und so. Aber dann hat sie es beiseite gestellt, weil es ja mit der Lenkung noch so haperte und mit meinem Gleichgewicht. Wenn sie die Garrocha in der Hand hat, hat sie ja nur noch eine Hand für die Zügel und kann auch keine Gerte mitnehmen, mit der sie mir nochmal erklären könnte, was ihr Bein mir gerade sagen will. (Also wenn sie ihr Bein anlegt, kann das ja verschiedene Dinge bedeuten. Und wenn ich dann nicht kapiere, dass sie gerade über mein Hinterbein spricht, was ich mal etwas seitlich unter meine Körpermitte nehmen soll, dann kann sie mit der Gerte an mein Bein tippen, dann weiß ich, welches Bein was machen soll).

Also: Zügel in eine Hand und keine Gerte. Das heißt ich muss voll gut aufpassen auf ihren Sitz und ihre Beine. Sie hingegen ist ziemlich beschäftigt mit der Holzstange, die ist etwas widerspenstig (sagt mein Mädchen. Ich glaube, sie ist nur nicht in der Lage, richtig damit umzugehen!). Also hat mein Mädchen auch nicht die ganze Aufmerksamkeit bei mir. Ihr seht schon: erhöhter Schwierigkeitsgrad!

Und dann hat sie die Garrocha mit der Spitze am Boden abgestellt und verkündet, dass wir jetzt einen perfekt runden Kreis reiten. Die Garrocha ist unser Zirkel und wir sind die Bleistiftmine, die die Linie malt. Na klar! Kein Problem! Oder eben doch. Was sind wir da herum geeiert am Anfang! Das ist viel schwerer als es sich anhört! Aber nach und nach wurde es besser. Ich habe mich voll konzentriert und mir mächtig Mühe gegeben, alles, was sie sagt, richtig zu verstehen und umzusetzen. Das fand mein Mädchen toll und hat zwischendurch Kekse springen lassen – auch das ist mit der Garrocha komplizierter als sonst, aber wir können das.

Als wir auf beiden Seiten einen einigermaßen runden Zirkel hingekriegt hatten, haben wir noch ein paar Handwechsel versucht. Da hat mein Mädchen manchmal noch einen Knoten in den Armen, aber sie sagt, Übung macht die Meisterin und ich hätte alles perfekt gemacht. Dann war auch schon Feierabend (traben können wir noch nicht mit der Garrocha, das steht mal fest!). Mein Mädchen war sooooooo stolz auf mich, weil ich ganz toll erwachsen war und das ganze Chaos gut ausgehalten habe und mich so doll bemüht habe.

Eigentlich wollte sie das ganze für euch filmen, aber leider ist die Elektronik nicht wasserfest und es hat mal wieder etwas geregnet. Mein Mädchen sagt, da sieht man doch wieder, dass Ponys viel praktischer sind als der ganze neumodische Kram, wir Ponys sind nämlich wasserfest und machen uns nix aus Regen. Naja, so gibt es leider keinen Film aber beim nächsten Mal klappt es ja vielleicht!

Euer Garrocha-tauglicher Sir Duncan Dhu of Nakel

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