Endlich wieder mit dem Ausreitkumpel los! Also mit DEM Ausreitkumpel!
Es war schon spät und schon ganz dämmrig, aber trotzdem noch heiß. Mein Mädchen hat sich eine Lampe an den Helm geklebt (eher: der Mann hat ihr eine Lampe an den Helm geklebt), die Warnweste angezogen und mein Spaziergehkumpel hatte sogar ein Lämpchen am Kopf und eins am Sattel. Aber vorerst konnten wir noch gut ohne extra Licht gucken. Los ging es zu Fuß, erst mal an den Waldarbeitern vorbei, die mit ihren großen Maschinen im Gange waren. Aber sowas macht mir nix mehr. Sehen konnte ich sie eh nicht, nur hören.
Dann, an ein paar Baumstämmen, sind unsere Mädchen aufgestiegen. Und kaum saßen sie, ging es los im Trab. So ist das, wenn wir mir dem Ausreitkumpel unterwegs sind! Alsbald hörte ich von oben das mittlerweile vertraute „Aaaachtung und hopp!“ und bin angaloppiert. Freude von Seiten meines Mädchens, weil ich Rechtsgalopp gewählt habe. Schnell den Ausreitkumpel eingeholt, der schon vorneweg war, dann haben wir ihn überholt und sind in die Dämmerung galoppiert. Den Weg kennen wir gut, das ist eigentlich kein Problem. Aber da! Ein Knacken im Gebüsch! Ich bin für einen Galoppsprung schneller geworden, mein Mädchen hat ganz kurz Angst gehabt und ein kleines bisschen gebremst und da bin ich direkt in den Trab gefallen. Eigentlich wollte sie mir sagen, dass wir ruhig weiter galoppieren können, aber dann hat sie sich überlegt, dass sie das eine ganz tolle Idee von mir findet, wenn ich beim Erschrecken bzw danach langsamer werde anstatt schneller und also sind wir im Trab geblieben und sie hat mich ganz doll gelobt.
Um die Kurve und dann wieder in den Galopp. Irgendwie hatten wir das Gefühl, ganz allein zu sein – wo bleibt denn mein Ausreitkumpel? Aber die beiden sind ja schon groß und kommen schon klar, also weiter. Als wir dann durchpariert haben und der Ausreitkumpel uns eingeholt hatte, erzählt sein Mädchen, sie habe kurz anhalten müssen um zu schauen ob er einen Schuh verloren hat. Hatte er zum Glück nicht, aber sein Mädchen war verdammt stolz auf ein, weil er anhalten und stillstehen kann, während ich davon galoppiere. Da kann man ja auch sehr stolz sein!
Weiter ging es, noch eine Runde Galopp. Mein Mädchen bremst jetzt gar nicht mehr so viel, sie hat sich an mein Tempo gewöhnt und feuert mich an, weiter zu galoppieren. Sie hat mir gezeigt, dass sie gut mit aufpasst in der Dämmerung und so bin ich ganz zufrieden bis zum Umspannwerk galoppiert. Dann brav auf Stimmkommando in den Trab. Das Umspannwerk sah etwas gruselig aus, mit so grünlichem Licht und einem großen Dings vor dem Tor. Da sind wir lieber im Schritt vorbei. Mein Mädchen fragt sich, ob es sich eigentlich wirklich um ein Umspannwerk handelt – sie findet, nachts sieht es eher aus wie Area 51.
Aber dann ging es weiter im Trab. Als wir an die Ecke kamen, wo wir den Rückweg antreten, hat mein Mädchen mal aufs Lenken verzichtet, sie wollte wissen, ob ich unbedingt zurück will. Rechts wäre es zurück gegangen. Ich bin geradeaus gelaufen. Warum auch nicht? Einfach die Runde nochmal, war doch schön! Aber mein Mädchen fand, es reicht, und es wurde auch schon ziemlich dunkel. Also im Trab Richtung Heimat. Mein Mädchen hat versucht, ein Video für Euch zu machen, aber da kann man gar nix sehen. Wir konnten aber schon noch was sehen.
Am Ende des Weges ist dann die traditionelle Graspause mit absteigen und den Rest gehen die Mädchen zu Fuß. Während sie da vorn am schnacken sind, habe ich mich Millimeter für Millimeter an den Po meines Ausreitkumpels angepirscht, ohne dass mein Mädchen es gemerkt hätte. Gerade hatte ich angesetzt und wollte da mal herzhaft reinkneifen, da dreht sich doch mein Mädchen um und erwischt mich auf frischer Tat! Sie meinte, ihr Gefühl sei wohl ganz gut justiert. Da muss ich wohl noch besser werden um das zu schaffen, ohne dass sie es merkt!

Ach, was war das wieder fein! An der Wackelkiste hat mein Mädchen mir zwei Flaschen Wasser übergegossen, damit ich ein bisschen abgekühlt bin (das Wasser war allerdings den ganzen Tag im Auto und also recht warm) und ab ging es nach hause. Dort hat sie nochmal kritisch meine Hinterhufe beäugt und zufrieden fest gestellt, dass die neuen Schuhe sich weder bewegt noch gescheuert haben. Eine kleine Verbesserung möchte sie noch machen, aber dann sollte es perfekt sein.
Traurig war sie nur beim Blick auf die App, denn die hatte nicht richtig aufgezeichnet und eine ganz falsche Geschwindigkeit im Galopp angegeben und auch zu wenig Strecke. Aber egal, wir beide wissen ja, was wir geschafft haben. Und wisst ihr, worauf ich am meisten stolz bin? Dass sie mir jetzt auch im Galopp so fein vertraut. Das hab ich mir mit viel Geduld, Verlässlichkeit, Aufmerksamkeit und Vorsicht erarbeitet.
Euer vertrauenswürdiger Sir Duncan Dhu of Nakel