Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 399

Gestern war Montag. Und trotzdem Ausflugstag mit dem Ausreitkumpel! Das soll wohl jetzt vorerst immer so sein, sagt mein Mädchen. Wisst ihr was? Mir egal. Hauptsache Ausflug!

Mein Mädchen war natürlich besorgt. Wie immer! Weil ich es ja letzte Woche so anstrengend fand. Was sie vergessen hat: letzte Woche war letzte Woche. Jetzt ist diese Woche. Und ich war ja in der Zwischenzeit nicht untätig. Wir waren auf dem Reitplatz zum Ponyyoga und in der Halle zum Wippen und vor allem hab ich mir doch Muskeln wachsen lassen! Dafür ist Regenerationszeit schließlich da. Und das bedeutet, ich bin diese Woche stärker, schneller und vielleicht sogar noch etwas schöner als letzte Woche (falls das möglich ist).

Also los in die Wackelkiste und zum Ausreitkumpel! Hinterhufe wieder in den alten, geliehenen, halb kaputten Schuhen, weil wir probieren wollten wie es damit mit dem Galopp klappt. Mein Mädchen hatte zwar schon so eine Ahnung, aber sie wollte es trotzdem probieren.

Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat sich auch erinnert, wie anstrengend ich es letzte Woche fand und hat gesagt, in Anbetracht der Hitze reiten wir lieber nur 8,5km. Dann ging es los, auf einen schmalen Waldweg. Trab! Und dann um die Kurve um den Baum, etwas runter, etwas rauf. Ich war munter und flott vorneweg unterwegs. Dann wurde der Weg gerade und ich dachte, ein kleiner Galopp wäre wohl angemessen. Mein Mädchen fand das aber gar nicht. Ich aber schon. Und so gerieten wir in eine kleine Diskussion. Hab dann nachgegeben und bin getrabt. Aber so richtig Spaß hat es mir nicht gemacht, also bin ich eben doch wieder angaloppiert. Diskussion. Trab. Laaaaaaaaaangweilig! Galopp! Diskussion. Trab. Nein, jetzt ist es mir zu doof. Ich will galoppieren und mir ist das vollkommen egal was mein Mädchen davon hält. Oooooooh, da gab es aber mal richtig Ärger. Verdammt! Fand sie gar nicht witzig. Menno.

Die gute Nachricht ist: sie hat verstanden, dass ich Galopp einfach eine tolle Gangart finde und im Grunde findet sie das ja auch. Als wir also kurze Zeit später auf einen breiteren Weg kamen, ging es los – mit Erlaubnis von oben. Juhuuuuuu! Hopp, hopp, Galopp! Wir waren gerade so recht in Fahrt als ich komisch gestolpert bin mit den Hinterhufen. Mein Mädchen wusste gleich: Schuh ab. Sie war schon am bremsen als… Huch! Was fliegt denn da! Da musste ich doch kurz einen Satz und einen kleinen Buckler machen vor Schreck! Hab dann aber gebremst. Beide Schuhe futsch. Die Gamaschen waren noch an meinen Beinen aber die Schalen waren im hohen Bogen weg geflogen. Naja, das war ja fast zu erwarten gewesen.

Zwei Schuhe in vier Teilen ist nicht in Sinne des Erfinders!

Schuhe in die Tasche und es ging hinten barhuf weiter, war guter Boden. Trab oder Galopp oder was – bisschen Chaos weil wir vorne waren aber den Weg nicht wussten und die Ansagen von hinten irgendwie verwirrend waren. Aber egal, wir hatten trotzdem Spaß. Und dann kamen wir an eine Badestelle. Ab in den Fluss! Zumindest mein Ausreitkumpel. Ich bin ja jetzt nicht so die Wasserratte. Wollte gerade einen Schluck trinken, da fängt der neben mir an zu plantschen wie so ein Irrer! Ey, das spritzt mir ins Gesicht! Nein, da mach ich nicht mit. Bin das Ufer wieder hoch geklettert und hab mir das von weitem angeschaut. Der spinnt doch!

Nachher, als er fertig war mit plantschen, sind mein Mädchen und ich auch nochmal ans Wasser. Aber ich bin einfach keine Badenixe und mein Mädchen sagt, das muss ich auch nicht sein, ich soll nur keine Angst haben.

Der spinnt doch! Das schau ich mir lieber von weitem an.

Weiter ging die Reise, einen kurzen, steilen Berg hoch und dann wieder zurück zur schönen Galoppstrecke. Hurraaaaa! Ich finde galoppieren einfach großartig! Mein Mädchen hat immer zwischendurch gecheckt ob die Bremse noch geht und wenn ich gesagt hab, dass ich noch zuhöre, hat sie mich wieder laufen lassen. Sie war ganz überrascht, wie fit ich bin. Naja, wie gesagt, ich hab mir Muskeln wachsen lassen – und das war doch auch ihr Plan! Was ist sie denn dann so überrascht, wenn das dann klappt? Komisch.

Dann noch etwas Trab und als das Mädchen vom Ausreitkumpel gefragt hat, welchen Weg wir zurück reiten hat mein Mädchen auf den breiten Weg gezeigt und gesagt, ich soll ruhig noch galoppieren. Oh, jetzt wurde das schon ein bisschen anstrengend. Nicht schlimm, aber vielleicht einen Hauch mehr, als ich dachte. Und so, sagt mein Mädchen, war auch der Plan. Weil ich mich fühle wieder König der Welt (und? Einwände?) und ich fix lernen soll, dass ich mich auspowern kann ohne ungefragt zu galoppieren. Ok, mein Mädchen, aber dann musst du mir das auch fest versprechen! Mein Mädchen sagt, sie will mir zeigen, dass ich mich auf langen Schritt-Ausritten, mittellangen Trab-Ausritten und kürzeren Ritten mit viel Galopp auspowern kann. Mal so und mal so. Weil sie unbedingt die Gangart bestimmen will – zumindest im Moment. Sie sagt, wenn ich weiterhin immer super artig bin und ihr gezeigt habe, dass die Bremse zur Not funktioniert, dann kann ich auch mehr selbst bestimmen. Immer dieses Misstrauen! Nur weil man mal ein bisschen schneller möchte. Tssss tsss, wer bremst, hat Angst!

Und die alten, geliehenen Hufschuhe haben uns trotz ihrer spektakulären Flugbahn die gewünschte Erkenntnis gebracht: meine vorderen Hufschuhe bleiben auch im Galopp dran, wenn ich hinten welche anhab, die gut passen und keine Schnalle vorne haben. Damit weiß mein Mädchen jetzt, was sie mir hintenrum anziehen kann und dann sollte das Thema Hufschuhe bald mal etwas weniger nervig sein. Allerdings heißt das nicht, dass sie nicht noch 100 andere Sachen an unserem Equipment verbessern möchte!

Gegen Ende war ich dann sehr zufrieden mit mir. Müde allerdings nicht, nur sehr verschwitzt. Wir sind nach hause gefahren und dort hat mein Mädchen Puls gemessen – 44. Dann hat sie den Schlauch aufgedreht und mich gefragt, ob ich duschen möchte. Ach weißt du was, mein Mädchen, ich möchte wirklich gern duschen, ich fühle mich ganz klebrig und heiß. Also hat sie mich komplett abgeduscht und ich fand das ausnahmsweise sehr angenehm. Fertig! Ab zum panieren und dann Feierabend. Mädchen stolz, zufrieden und überrascht und ich ausgetobt, glücklich und bald noch fitter!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Hinterlasse einen Kommentar