Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 387

Eigentlich hätten wir gestern nochmal ausreiten wollen. Wir wären sogar verabredet gewesen mit dem schönen Spanier! Stattdessen hat es den ganzen Tag ausgiebig geregnet. Mein Mädchen hat da gar nichts dagegen, sie sagt, die Natur kann das Wasser immer noch gut gebrauchen und so einen schönen Landregen wie gestern allemal, dann kann der Boden sich wirklich wieder vollsaugen. Die Weide produziert dann feines Futter für uns und uns Ponys ist es auch lieber wenn es nicht so warm ist.

Mein Mädchen träumt davon, bei so einem Regen ganz gemütlich mit mir allein ausreiten zu gehen. Aber so weit sind wir noch nicht. Deswegen haben wir uns gestern auf eine schöne Runde Wippen beschränkt, das hat Spaß gemacht und ist auch sehr gut für meine Muskulatur und mein Körpergefühl (sagt sie. Ich sage, es ist gut für die Keksrate!).

Heute haben wir uns dann dem großen Thema gewidmet: allein ausreiten. Neuer Versuch! Mein Mädchen war nicht zufrieden mit dem letzten Mal, sie fand mich zu aufgeregt. Sie möchte das gaaaaaaanz entspannt haben. Deswegen haben wir es diesmal anders gemacht: sie ist auf dem Hof schon aufgestiegen und dann sind wir vom Hof runter geritten. Das fand ich etwas kurios und war ein bisschen zögerlich unterwegs, aber ich bin gegangen. Ein paar mal anhalten und Keks kassieren, dann weiter. Schließlich bin ich in Fluss gekommen (so nach 50 oder 100 Metern) und da fand mein Mädchen, es sei Zeit, umzudrehen. Wir also zurück, da war ich ganz entspannt. Und dann nochmal am Hof vorbei – hm. Da war ich wieder nicht überzeugt. Aber ein paar Meter weiter ist sie abgestiegen und hat mich grasen lassen, damit kriegt man mich ja immer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind NOCHMAL am Hof vorbei geritten! Na gut. Ich bin dann los marschiert, das fand sie toll – absteigen, grasen lassen. Dann wieder aufsteigen und weiter reiten. Und gerade als ich mich entschlossen hatte, fleißig voran zu gehen hat sie mich angehalten und umgedreht. Hä? Wieso denn jetzt zurück? Das ist komisch. Sie hat gelacht und gesagt, genau so will sie es haben. Ich soll nicht nach hause wollen, denn wenn ich dringend nach hause will bin ich eigentlich überfordert. Mir ist das alles zu theoretisch, aber ich bin jedenfalls insgesamt ganz zufrieden damit wie es gelaufen ist und mein Mädchen ist sogar sehr doll zufrieden. Sie sagt, wir erarbeiten uns das Meter für Meter. Und wenn sie das sagt, dann MEINT sie Meter für Meter. Weil sie ja überzeugt ist, dass der langsame Weg der schnellere ist und vor allem der entspanntere. Ach, mir alles egal, hauptsache Grasen und Kekse und Abenteuer!

Jetzt geh ich weiter wachsen und mich ganz erwachsen und großartig fühlen.

Euer allein-Rausgeher Sir Duncan Dhu of Nakel

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